Der Gral erhält sein heutiges mystisches Ansehen aufgrund der frühen Geschichten, in denen er erstmals am Ende des. 12 Jahrhunderts und Anfang
des 13. Jahrhunderts erwähnt wurde. Die Templer waren auf der Höhe ihrer Macht. Ebenso die Kirche. Geoffrey of Monmouths "Bestseller" aus
dem Jahr 1136, "History of the Kings of Britain", brachte weitere Inspiration mit seiner Sage um König Artus und den Zauberer Merlin.
De Boron zufolge, der sein Buch auf der Grundlage der Evangelien und der Apokryphen schrieb, wurde der Kelch, den Jesus bei seinem
letzten Abendmahl gebrauchte, gestohlen und zu Pontius Pilatus geracht. Dieser wollte allerdings nichts mit dem Verurteilten zu tun haben,
und so gab er den Kelch Joseph von Arimathea, einem Soldaten.
Als Jesus vom Kreuz genommen wurde und seine Wunden gewaschen, sammelte Joseph dessen Blut in dem Kelch.
Dann, als der Leib Christi aus seinem Grab verschwand, wurde Joseph verhaftet, doch Jesus erschien ihm,
gab ihm den Kelch und sagte ihm, er solle zum Gedenken an die Kreuzigung eine Messe feiern.
Joseph scharte einige Anhänger um sich und bildete die Gralshüter, die heilige Reliquie bewachen sollten.
Josephs erster Nachfolger war dessen Schwager Bron, auch der ´Reiche Fischer´ genannt.
Es war diese
Erzählung von de Boron, in der der Gral erstmals als Kelch erwähnt wird, aus dem Jesus beim Abendmahl
getrunken habe, und mit dem das Blut des Gekreuzigten aufgefangen wurde. Tatsächlich nimmt der Gral
in den zahllosen Geschichten vielfältige Gestalt an. Manchmal ist es eine Schale oder eine Schüssel
- im Altfranzösisch ist "graal" vom lateinischen "gradalis" hergeleitet, was "Schüssel" bedeutet.
Der Ritterdichter Wolfram von Eschenbach, von östlicher Literatur beeinflusst, beschreibt ihn hingegen
als einen Stein, der vom Himmel fiel und den Phoenix ermächtigte, aus der Asche emporzusteigen.